Die Gewinner des FAUST 2018

Am vergangenen Samstag wurde im Theater Regensburg zum 13. Mal der Deutsche Theaterpreis, DER FAUST verliehen.

Die Gala fand im Regensburger Velodrom und die After-Show-Party auf der Bühne des Theater Regensburg statt. Begleitet von ihrer Band Die Klischewetzkis führte die Schauspielerin und Sängerin Genija Rykova durch den Abend.

Hier kommen nun die Preisträger und die Jurybegründungen des FAUST 2018:

Regie Schauspiel
Thorleifur Örn Arnarsson
Thorleifur Örn Arnarssons „Die Edda“ am Staatsschauspiel Hannover macht das Theater zum Erfahrungsraum einer fremden Welt. In einem unglaublich weitgespannten Erzählbogen vom Schöpfungsmythos zum persönlich erfahrenen Weltuntergang bindet er zwei Enden von existentieller Welterfahrung zusammen. Hier werden elementare Fragen unserer Herkunft und unseres Schicksals verhandelt und in eine persönliche Biografie überführt. Herausragend ist auch die Ensembleleistung unter Arnassons Führung sowie die Sprachbehandlung bei der Umsetzung dieses großen Stoffes. Er erzählt mit großen theatralen Mitteln von einer fremden Welt, setzt diese in Reibung zu unserer heutigen und macht sie so für uns erfahrbar.

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Foto: Markus Nass

Darstellerin/Darsteller Schauspiel
Barbara Nüsse
Die Schauspielerin Barbara Nüsse dirigiert mit großer Souveränität und Selbstverständlichkeit den gesamten Abend. Als Zauberer Prospero in „Der Sturm“ am Thalia Theater Hamburg bleibt sie aber trotz dieser Souveränität und Abgeklärtheit eine ganz eigene, zarte Figur, die gegenüber dem Geschehen durchlässig und verletzlich ist. Schalkhaft, spröde und sanft evoziert diese Schauspielerin ganze Welten mit scheinbarer Leichtigkeit. Allein mit der Sprache erschafft und vergegenwärtigt sie einen eigenen Spiel-, Phantasie- und Gefühlsraum. Mit dieser Auszeichnung hat die Jury auch das herausragende Lebenswerk der Schauspielerin im Blick.

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Foto: Markus Nass

Regie Musiktheater
Tobias Kratzer
Tobias Kratzers „Götterdämmerung“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe zeigt eine seltene konzeptuelle Stimmigkeit und Genauigkeit. Trotz der Schwere Wagners gelingt ihm eine Leichtigkeit der Inszenierung, die die Musik scheinbar tanzen lässt. Seine Regie sprüht vor Ideen, die aber niemals Selbstzweck sind, sondern von spielerischer Leichtigkeit und gleichwohl interpretatorischer Ernsthaftigkeit. Mittels einer hervorragenden Sängerführung gelangt Kratzer so zu einer ungeheuren darstellenden Intensität. Er reflektiert die Sparte Oper auf einer Metaebene ohne dabei selbstreferentiell zu werden und entwickelt eine Figurenhandlung, die uns nachvollziehbare Menschen auf der Bühne zeigt. Tobias Kratzer ist mit dieser Inszenierung eine starke Setzung, ein absolut eigenständiges Statement gelungen.

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Foto: 3SAT/Kobalt

Sängerdarstellerin/Sängerdarsteller Musiktheater
Matthias Klink
Matthias Klink spielt wunderbar unprätentiös mit dem Ensemble. Als Gustav von Aschenbach in „Tod in Venedig“ an der Oper Stuttgart/dem Stuttgarter Ballett gelingt es ihm, sich Aschenbachs einsamen Raum anzueignen und ganz und gar zu seinem eigenen zu machen. Er ist ein phantastischer Darsteller, der jenseits jeder Opernfloskel, direkt und persönlich über verschiedene Ebenen mit Stimme, Gestus und Bewegung, seinen ganzen Körper benutzt und zur Verfügung stellt. Dabei interagiert er mit großer Entschiedenheit und Klarheit mit den Bühnenpartner*innen (Sänger*innen, Tänzer*innen und Orchester). Matthias Klink zeigt eine herausragende sängerische Einzelleistung und bleibt dabei im besten Sinne ein großer Ensemblespieler.

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Foto: 3SAT/Kobalt

Choreografie
Sharon Eyal
Sharon Eyal erschafft in „Soul Chain“ am Staatstheater Mainz ein zeitgenössisches Ballett der Gegensätze: Sie kontrastiert Gruppe und Individuum, Sexualität und Geschlechterneutralität, archaische Kreatur und Clubgänger. Es gelingt ihr auf einem streng-formalen Weg einen Sog und eine emotionale Dichte zu erzeugen, die ein Gefühl von Entfesselung in sich tragen. Die 17 Tänzer*innen performen derart energiegeladen, dass sich ihre körperliche Spannung über den Bühnenrand hinweg direkt auf den Zuschauer überträgt. „Soul Chain“ ist eine zeitgenössische Choreografie auf allerhöchstem Niveau, in der Sharon Eyal eine ganz eigene Bewegungssprache etabliert. Diese könnte sich als zukunftsweisend für den Tanz erweisen.

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Foto: 3SAT/Kobalt

Darstellerin/Darsteller Tanz
Ramon A. John
Ramon A. John illustriert nicht, spielt nicht. Ramon A. John tanzt. In „Eine Winterreise“ vom Hessischen Staatsballet (Hessisches Staatstheater Wiesbaden/ Staatstheater Darmstadt) entwickelt er eine Interpretation des „Wanderers“, die auf einen Überschuss an Bedeutung verzichtet und dennoch eine große Projektionsfläche bietet. Johns Tanz und Bewegungen erzählen uns alles, was wir über diese Figur wissen müssen, die er mit großer Präsenz auf die Bühne bringt. Er bewegt sich immer mehrdimensional in alle Richtungen gleichzeitig und in jedem Augenblick in Bezug zum Raum. Das macht ihn gleichzeitig groß und verloren. Er nutzt die Gravität und bleibt geerdet und trotzdem erscheint er leicht, mit großer Transparenz und Durchlässigkeit. All dies macht Ramon A. John zu einer außergewöhnlichen tänzerischen Persönlichkeit.

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Foto: Markus Nass

 

Regie Kinder- und Jugendtheater
Martina van Boxen
Martina van Boxen macht mit „Lindbergh – Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus“ am jungen Schauspielhaus Bochum aus einem Kinderbuch ein großes Theaterereignis. Im Zentrum steht die Übersetzung der Geschichte in ein feines Puppenspiel, das liebevoll, bis ins kleinste Detail gestaltet ist. Mit hohem Rhythmusgefühl und großer Musikalität ist die Interaktion von Schauspielern und Puppe durchinstrumentiert, komponiert und choreografiert. Die Geschichte lässt sich intensiv auf den Stoff ein, das Thema Flucht wird klug in die Vorstellungswelt der Kinder eingebunden. Die Jury würdigt mit dieser Auszeichnung auch die langjährige Aufbauarbeit der Regisseurin im Kinder- und Jugendtheater in Bochum.

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Foto: Markus Nass

Bühne/Kostüm
Jana Findeklee / Joki Tewes
Die Kostüme von Jana Findeklee und Joki Tewes für „Wilhelm Tell“ am Schauspiel Köln schaffen Ambivalenzen. Die wattierten Kostüme mit Versatzstücken aus der Gegenwart und vielen Details zum Hinschauen, stehen in starkem Kontrast zur Bühne, zur nüchternen Härte des engen Raumes und zur strengen metronomisierten Sprechweise. Die verspielten und leichten Kostüme sorgen für Aufmerksamkeit auf diese starken Figuren, autochtone Alpenindianer in ihrer kraftvollen, lebendigen Körperlichkeit. Die Arbeit von Jana Findeklee und Joki Tewes in Köln ist ein Beleg dafür, welch inhaltliche Relevanz Kostüme gewinnen können und wie sie, auf einer eigenen Ebene zu erzählen vermögen.

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Foto: Markus Nass

 

Lebenswerk
Mit dem Preis für das Lebenswerk geehrt wurde Aribert Reimann.
Die Laudatio auf den Ehrenpreisträger hielt Musikkritikerin und Journalistin Dr. Eleonore Büning. „Es ist mir eine große Ehre und Freude den FAUST 2018 für das Lebenswerk zu erhalten, und ich freue mich sehr in Regensburg zu sein, um bei der Veranstaltung im Velodrom mit allen Preisträgern, Opern- und Theaterfreunden zu feiern“, so Aribert Reimann.

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Foto: Markus Nass

 

Perspektivpreis
Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr ein Perspektivpreis vergeben.
Ausgezeichnet wurde die Aktion „40.000 Theatermitarbeiter*innen treffen ihre Abgeordneten“.
Über den Preis hat eine eigens dafür eingesetzte Jury entschieden. Ihr gehören eine Vertreterin des ausrichtenden Bundeslandes, Dr. Kathrin Mädler (Intendantin des Landestheater Schwaben), und des Künstlerischen Ausschusses des Deutschen Bühnenvereins, Nicola May (Intendantin des Theaters Baden-Baden), an, außerdem der Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, Prof. Dr. Markus Hilgert, und Bühnenvereins-Präsident Prof. Ulrich Khuon.

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Foto: Markus Nass

 

 

Quelle: Deutscher Bühnenverein
Fotos: Markus Nass, 3SAT/Kobalt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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